ILIJA DÜRHAMMER

Und Orpheus schweigt

Ein Kurznovellen-Roman
Format: 14 x 21cm, ca. 400 Seiten ISBN: 978-3-99016-103-6, € 25,00 Erscheinungstermin: Mai 2016

Nadežda Bauer ist zeit ihres Lebens dem Orpheus-Kult auf der Spur. Als der Zufall sie in
die Heimat ihrer Großmutter, ins Land des Orpheus, nach Bulgarien, führt, fühlt sie sich
dem Geheimnis ihres Lebens ganz nah. Dabei leitet sie ihr untrügliches Gefühl – und Rilkes Sonette an Orpheus, die sie wie ihr eigentliches Evangelium verinnerlicht hat und von denen sie in verschiedensten Situationen an Männer und Frauen mitunter dunkle Verse ausstreut, die teils verwirren, teils aber auch zu inneren Wandlungen den Anstoß geben. Auf ihrer Suche nach dem Eigentlichen stolpert sie nämlich von einer erotischen Verwicklung in die andere, lernt damit Bulgarien und die Bulgaren tiefer kennen, indes ihr das einst Verlorene nie aus dem Blick gerät. Die insgesamt 27 Kurznovellen werden von verschiedenen Personen erzählt, deren Wege sich mit Nadeždas Leben, zumeist
amourös, gekreuzt haben. Während sie eine ganze Reihe von Menschen innerlich aufwühlt, gerät sie selbst immer mehr zum Eigentlichen, zum Scheitelpunkt zwischen dem Physischen und Metaphysischen, bis sie endlich den Schritt setzt, der sie Orpheus ganz nahe bringt …

Es ist ein Buch, das verschiedene Nationen und erotische Neigungen miteinander auf mitunter überraschende Weise verbindet, das aber darüber hinaus nicht nur von einer langen Reise nach Osteuropa, sondern auch von der inneren Reise zum eigenen Selbst erzählt. Die Geschichten fügen sich zu einem sinnlichen, zugleich aber auch spirituellen Roman.

Ilija Dürhammer

Thomas Bernhard • Holz•Ein•Fall • Eine reale Fiktion

Kremayr & Scheriau: Wien 2004

Kennen wir unseren Bernhard wirklich? Wissen wir, warum sich der »Untergeher« und der General in »Jagdgesellschaft« in Wirklichkeit umbringen und warum beide in einer Jagdhütte und an welcher Krankheit der General tatsächlich leidet? warum Atzbacher in »Alte Meister« und die Perserin in »Ja« ausgerechnet einen Schaf(s)pelzmantel tragen, weshalb Franz Josef Murau in »Auslöschung« seinem Schüler »Amras« zu lesen gibt? welche Bedeutung der Holzwurm in »Korrektur« und der Borkenkäfer in der »Jagdgesellschaft« haben? woher die Jäger-Tausendschaften in »Auslöschung« kommen, die angeblich selbst in Wien überall auftreten, und warum die meisten Bernhard-Protagonisten die Jäger und die Jägerei hassen, die Gärtner aber mögen?
Die eigentliche Poesie der Bernhard-Welt liegt tiefer als bisher wahrgenommen. Sie hat sich in einer ausgeklügelten Geheimsprache ihr unbeschmutztes Nest gebaut. Das Chiffren-Glossar hat Bernhard zwar mitgeliefert, aber es wurde bisher nur kaum beachtet und noch weniger (von einer Ausnahme abgesehen) als Schlüssel für das Gesamtwerk betrachtet.

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Besprechungen:

Alfred Pfabigan im Gespräch mit Peter Zimmermann

Ex libris (Ö1) vom 18. IV. 2004

Zimmermann:

»Der vielleicht erste Thomas Bernhard-Roman«

Pfabigan:

»Ich würde vielleicht als erstes den Quasi-Roman-Status dieses Textes hervorheben. Also das ist eine Bernhardsche Situation: Jemand verfaßt eine Studie über jemand oder jemand erzählt einem jungen Mann – das ist ja der Plot: Luitpold Kenner erzählt Ilija Dürhammer seine Geschichte mit Thomas Bernhard, und es gibt ein Testament, in dem beschlossen wird, er darf das benützen.
[…]
Dann gibt es einen zentralen Punkt, und das ist der Punkt, welche Rolle spielte die Homoerotik und zwar nicht nur in den Texten des Thomas Bernhard, sondern auch im Leben des Thomas Bernhard, und Dürhammer schließt sich hier der Deutung an, daß es eine Geheimsprache gibt, die rund um Holzfällen, Pelzmantel kreist, die eben Homoerotisches beschreibt.

Das sind einfach drei Bücher. Es hat ein Literatur- und Musikwissenschafter sich mit Bernhard beschäftigt, hat ihn interpretiert, hat die Fragestellung Heimatdichter oder Nestbeschmutzer einmal aufgeworfen, hat Analogien zwischen dem Tonhof und dem Kreis um Schubert festgestellt, und es hat ein Künstler, ein Schriftsteller einen bernhardesken Roman (das dritte Wort des Buches ist naturgemäß) versucht zu schreiben, und es hat möglicherweise ein sarkastischer Zeitgenosse mit dieser Figur des Luitpold Kenner eine Parodie auf diese biedere Erinnerungsliteratur an Thomas Bernhard, die ja seit einigen Jahren den Markt überflutet, geschaffen.
Und wir als Leser stehen relativ ratlos da und springen von einer Kategorie in die andere, und ich denke, wir haben zwei Möglichkeiten, entweder wir genießen das oder wir ärgern uns.«

Zimmermann:

»Aber eines muß man vielleicht doch festhalten, daß dieses Buch von Ilija Dürhammer sprachlich eigentlich sehr gewandt formuliert ist, auch wenn es so eine Art Anverwandlungsprosa ist, ich meine, es ist ja auch immer die Bernhardsche Sprache, die hier durchscheint, die mitunter imitiert wird.
Ich hatte den Eindruck, daß es ein Text ist, der sich trotz allen Zwiespältigkeiten inhaltlicher Natur, sehr flüssig liest.«

Pfabigan:

»Und dort sind auch einige sprachliche Experimente drinnen, da sind Nachstellungen sozusagen von Wiener Gruppe-Gedichten, und da ist der etwas altmodische Sprachgestus des Luitpold Kenner.
Also sprachlich ist das sicher gut gearbeitet.«

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Reinhold Tauber

Der Heimatdichter und sein Chiffren-Geheimnis

vom 04.03.2004

»Ein intimes Erinnerungsbuch an Thomas Bernhard«

»Zum 15. Todestag Thomas Bernhards erschien ein Erinnerungsbuch an den Dichter. Besonderheit: Der Autor ist nicht der Autor, nur autorisiert.
Ilija Dürhammer steht in der Autorenzeile. Der Schubert- und Bernhard-Kenner und -Publizist, Lehrstuhlinhaber [sic !] in Wien, war für das Buch Lektor und Struktur-Berater. Autor des mit philosophischen Überlegungen schwer befrachteten Texts war der inzwischen verstorbene Bad Ischler Luitpold Kenner, der testamentarisch Dürhammer zur Autoren-Nennung autorisierte.
[…]
In Erinnerung bleibt in der Literaturwelt der Skandal, den Bernhard 1984 mit "Holzfällen" auslöste. In dem Roman glaubte sich Lampersberg - von Bernhard ursprünglich als sein "einziger wirklicher Freund" bezeichnet - verhöhnt und ließ das Buch in Österreich beschlagnahmen.
In Kenners Erinnerungsbuch wird auf die gemeinsame Zeit bei Lampersbergs eingegangen, und es wird auch ein Vorhang gelüftet, hinter dem sich das Geheimnis des Auseinanderdriftens von Bernhard und Lampersberg verbarg - der beiden, die doch gemeinsame Text-Tondichtungen geschaffen hatten.
Das wäre im Prinzip für die Welt nicht von besonderem Interesse, höchstens für die biografisch arbeitende Wissenschaft. Auch nicht, ob es Thomas eher mit jenem als mit jener hatte. Aber für Interessenten an der Psyche Bernhards und für vermutbare Impulse des Werks wird viel erhellendes Material ausgebreitet.
Aber etwas anderes spürten Kenner und Dürhammer bei der Werk-Analyse des "Heimatdichters" auf: Eine Chiffren-Struktur durchziehe die gesamte Prosa, die Bernhards Prosa-Werk wie ein symmetrisches Gesamtgebäude erscheinen ließe. «

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Poetisch Verstreutes:

Raimund grillparzerisch zurechtgehobelt und Rustan in den reuigen Mund gelegt,

in: Raimund - Nestroy - Grillparzer. Witz und Lebensangst, hrsg. v. Ilija Dürham-mer u. Pia Janke. edition praesens: Wien 2001, 71- 77

[unter dem Pseudonym Jurij Beckmann:] Im strahlend weißen Kleid • gewiegten Schritts,

in: Travel Journal, hrsg. v. Bernhard Cella, Edition Ostblick: Wien 2002

[unter dem Pseudonym Jurij Beckmann:] aus Jurijs Tagebuchblättern,

in: Travel Journal, hrsg. v. Bernhard Cella, Edition Ostblick: Wien 2002

Sylvias sieben Liebeskræuterlieder,

in: Leib- und Seelengerichte • Kulinarisch. Literarisch. Fragmentarisch, edition novitas: Wien 2003, 44-50

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