Ilija Dürhammer – Gerrit Waidelich

Schubert 1797 – 1828

200 Jahre Schubert

Schloß Achberg: »Ich lebe und componire wie ein Gott« - Schuberts Leben und Schaffen, Stadtmuseum Lindau: Schubert im Spiegel der Nachwelt, 3. Mai bis 7. September 1997, wissenschaftliche Bearbeitung: Ilija Dürhammer & Gerrit Waidelich, Heidelberg 1997

Rezensionen:

Anonym, »Ich lebe und componire wie ein Gott ...«, in: Vorarlberger Nachrichten, 2. Mai 1997

»Thematische Schwerpunkte der Ausstellung sind Schuberts verschiedene Freundeskreise in Wien und Linz und deren maßgeblicher Einfluß auf sein Werk - hier in erster Linie auf sein Vokalschaffen und die von ihm gelesene und vertonte Literatur. Wohl bei keinem anderen Komponisten sind die sehr innigen Freundesbeziehungen - und fast nur diese - von so elementarer Bedeutung für das OEuvre. [...] Schuberts sehr bewußte Auseinandersetzung mit welt-anschaulichen, religiösen und ästhetischen Fragen steht im Zentrum der Ausstellung; die Schaffenskrise, die ihm nach einer überaus produktiven Phase um 1818 ereilte und die Krise aufgrund der syphilitischen Erkrankung 1823«.

Winfried Wild, Schubert Ausstellungen, in: Schwäbische Zeitung, 3. Mai 1997

»Achberg/Lindau - Nun sind sie eröffnet, die zwei größten Schubert-Ausstellungen zum 200. Geburtstag des Komponisten, die es überhaupt gibt ...«

Katharina v. Glasenapp, Zweimal Schubert-Schauen, in: Neue Vorarlberger Tageszeitung, 4. Mai 1997, 61

»Schuberts geistige und psychische Entwicklung, das Eingebundensein in verschiedene Freundeskreise, die ihm vielfältige literarische Anregungen gaben, die sich wandelnde Gedanken- und Gefühlswelt des Komponisten, eigene literarische Arbeiten wie die Erzählung ›Mein Traum‹ zeichnen ein aus jüngsten Forschungen erwachsenes neues Bild Schuberts, das weit weg führt von bekannten Klischeezeichnungen.«

Babette Caesar, 200. Geburtstag: Auftakt mit Glanz und Gloria, in: Lindauer Zeitung, 5. Mai 1997

»Viel Beachtung fand die am Freitagabend im Cavazzen eröffnete Ausstellung zum 200. Geburtstag. [...] Das Ausstellungskonzept, entworfen und betreut von Ilija Dürhammer aus Wien, ist in verschiedene Themenkreise gegliedert, die bis hin zu modernen Plakaten und Bühnenbildentwürfen der wenigen Schubert-Opern reichen [...]«

Anonym, Details über den hochverehrten Komponisten, in: Der Standard, 27. Juni 1997, 10

»Allerorten wird das Datum ›200 Jahre Franz Schubert‹ zum Anlaß genommen: zum Beispiel für das schöne Kata-logbuch Schubert 1797-1828 (272 Seiten, ÖS 423,- Edition Braus, Heidelberg 1997), das eine Ausstellung im Schloß Achberg und im Stadtmuseum Lindau begleitet [...]. Eine unglaubliche Fülle von Schubert-Bildern und Devotionalien ist aufgelistet, auch an manch unbekannterem Gemälde wird man seine Freude haben.«

Franz Endler, Franz Schubert - gespielt und ausgestellt im »Ländle«, in: (Wiener) Kurier, 4. Juli 1997, 29

»Schubertiade und Ausstellungen brillieren. [...] Die aufsehenerregendste ist jenseits der Grenze auf Schloß Achberg in Oberschwaben angesiedelt und zeigt, neben vielen erwarteten Raritäten und Illustrationen, Originale, die man auch als Kenner noch nie gesehen hat. ›The Pierpont Morgan Library‹ hat die Handschrift des ›Erlkönig‹ geschickt und die ›Winterreise‹. Man sieht in barockem Rahmen und hinter Panzerglas Schätze, die unersetzbar sind und einen Musikfreund ehrfürchtig und stumm werden lassen. [...] Die Wiener ›Installation‹ auf dem Karlsplatz läßt Sehnsucht nach einer Schubert-Ausstellung aufkommen. Auf Schloß Achberg findet sie statt.«

Franz Endler, Schubert-Bücher für den »gebildeten Musikfreund«, in: Kurier, 6. Juli 1997, 30

»Daß von den Ausstellungskatalogen Schubert 200 Jahre der Wichtigste ist, versteht sich. Der vorher erwähnte Walther Dürr [der tatsächlich nur das Vorwort schrieb!!] ist da über seinen gelehrten Schatten gesprungen, er erklärt die Exponate der Ausstellungen auf Schloß Achberg und im Stadtmuseum Lindau einprägsam.«

Anonym, Mit Schubert übers Land. Schon über 70.000 Besucher bei »Schubert 200«, in: Kurier, 7. August 1997

»Bei der umfassenden Schubert-Schau auf Schloß Achberg bei Wangen/Allgäu und in Lindau sowie in Feldkirch und Schwarzenberg im Bregenzerwald wurden bisher 71.000 Besucher gezählt.«

Anonym, Wirken und Wirkung eines Genies, in: Schwäbische Zeitung, 22. August 1997

»Sehr anspruchsvoll – so lautet das Urteil bei vielen der Besucher, die sich bislang schon zum ehemaligen Deutschordensschloß im süd-östlichen Zipfel des Landkreises Ravensburg aufgemacht haben. Ein schöneres Lob kann es eigentlich nicht geben. Denn man stelle sich einmal vor, diese Schau über Schuberts Leben – von Jugendbildnissen über die Originale der Partituren bis zur Locke vom Totenbett [wurde nicht gezeigt, wohl aber ein Stück Rippe] – wäre ohne Anspruch gemacht. So aber wird das Wandeln durch Franzls Vita zu einem nachhaltigen Erlebnis.«

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Ilija Dürhammer

Der Wiener Männergesang-Verein· Ein Stück österreichischer Kulturgeschichte im Museum Würth (Künzelsau/Baden-Württemberg)

Sigmaringen : Thorbecke, c 1998

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Ilija Dürhammer - Pia Janke (Hg.)

»Erst wenn einer tot ist, ist er gut« • Künstlerreliquien und Devotionalien

Verlag Christian Brandstätter: Wien 2002

Die österreichische Identität wird häufig über Kunst und Kultur definiert. Dabei kommt den großen Künstlern der Vergangenheit eine besondere Funktion zu: Verehrt, bewundert, vergöttert, verniedlicht oder verkitscht, werden sie zu Leitfiguren einer unproblematischen nationalen Selbstbestimmung. Zeitgenössische Künstler Österreichs hingegen werden nicht selten zu „Nestbeschmutzern“ und Österreich-Beschimpfern erklärt – solange sie noch nicht gestorben sind.
Das Kunsthistorische Museum nimmt diesen Umstand zum Anlaß, um im Palais Harrach eine Ausstellung mit Reliquien und Devotionalien berühmter österreichischer Komponisten und Schriftsteller zu zeigen. Dabei werden die Formen der Künstlerverehrung sowie des Kultes, aber auch das oft rückwärtsgewandte österreichische Kulturverständnis hinterfragt.
Präsentiert werden Objekte des täglichen Lebens (Tabaksbeutel, Taschenuhren, Brillen), Gegenstände des künstlerischen Wirkens (Taktstöcke, Tintenzeug, Schreibmaschinen) und Gebrauchsutensilien wie Hörrohre, Spazierstöcke und Kleidungsstücke. Jedes einzelne Stück hat seine eigene Geschichte, die im engen Zusammenhang mit seinem ehemaligen Besitzer steht und etwas von ihm der Nachwelt erzählt.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden Objekte des Totenkultes und eigentliche Reliquien. So sind eine Rippe von Schubert und Haare von Haydn, Berg, Schnitzler und Anzengruber zu sehen. Ferner zeigt die Ausstellung Denkmal-Entwürfe und Büsten berühmter Persönlichkeiten sowie Devotionalien, Kitsch und Kommerz-Produkte.
Als Teil ihres Konzepts ist der Ausstellung ein Veranstaltungsprogramm gegenübergestellt, um auf die Lebendigkeit und Widerständigkeit der zeitgenössischen Schriftsteller und Komponisten hinzuweisen. In Lesungen, musikalischen Darbietungen, Diskussionen und Werkstattgesprächen werden österreichische Künstler ihr Verhältnis zum Tod und zum Totenkult wie auch zur Künstlerverehrung thematisieren. Zugleich wird auf ein Phänomen aufmerksam gemacht, das möglicherweise ein typisch österreichisches sein könnte: auf die besondere Affinität der Literatur zur Musik, auf die besonderen Beziehungen zwischen Schriftstellern und Komponisten. Der produktive Widerspruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Kult und Provokation ist dabei bewußt intendiert und soll auch einen neuen Blick auf die vielleicht doch nicht so angepaßten Größen der Vergangenheit ermöglichen.

mit Beiträgen von Klaus Amann, Herta Blaukopf, Otto Brusatti, Ilija Dürhammer, Franzobel, Karl-Markus Gauß, Gernot Gruber, Pia Janke, Elfriede Jelinek, Cornelia Krauß, Friederike Mayröcker, Walter Obermaier, Alfred Pfabigan, Peter Rosei, Gerhard Rühm, Ferdinand Schmatz, Wendelin Schmidt-Dengler, Julian Schutting, Kurt Schwertsik, Marlene Streeruwitz und Manfred Wagner

Ausstellung für das KHM (Kunsthistorisches Museum Wien), TheaterMuseum im Palais Harrach